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Für *Liebende

Verpixelte Liebe

1. Juni 2011
Von Jakob Hinze

Jakob aus Hamburg ist Autor bei TONIC

Texte von Jakob
autor@tonic-magazin.de

Jakob Hinze

Die Zielgruppe des Herstellers Konami vereint also eine bestimmte psychische Disposition: Wem es im wirklichen Leben nie gelungen ist, eine funktionierende Beziehung aufzubauen, wer Zurückweisungen hinnehmen musste oder verlassen wurde, der ist anfällig für "Love Plus" und seine schönen Illusionen.

"Natürlich ist das keine gesunde psychische Reaktion, wenn man deshalb zu einem solchen Spiel greift. Trotzdem kann es mittelfristig einen Mangel ausgleichen. Wenn wir uns verlieben, schüttet unser Körper Glückshormone und Endorphine aus", sagt Karschnick. Dieser physische Prozess könne auch durch ein Spiel hervorgerufen werden.

Statt mit realen Menschen tauscht sich der Spieler mit einem Speicherchip aus

Statt mit realen Menschen tauscht sich der Spieler mit einem Speicherchip aus

Auch Tobias Vogel, Sozialpsychologe an der Universität Mannheim, hält das Phänomen für weniger absurd und unerklärlich, als es auf den ersten Eindruck scheint. "In Beziehungen verfolgen Menschen unter anderem zwei soziale Ziele: Self-Assessment und Self-Enhancement", sagt er. "Erstes bedeutet, dass mir mein Partner zeigt, wer ich bin, mir ein Feedback gibt. Zweitens suchen wir in ihnen aber auch Bestätigung und Anerkennung." Überschwängliches Lob sei eben eher erwünscht als eine realistische Einschätzung. Ein hohes Bestätigungsbedürfnis könne von einem virtuellen Partner möglichweise besser befriedigt werden als von einem kritischen realen, befindet der Wissenschaftler.

Therapeutin Karschnick sieht die Grundbedingungen für ein Spiel wie "Love Plus" auch hierzulande gegeben: "Auch bei uns haben zunehmend weniger Menschen die Chance, reale Beziehungen – die Nähe, die Probleme, die Frustration – zu erlernen. Und wenn ich nie gelernt habe, mit der Individualität eines echten Gegenübers umzugehen, suche ich mir Nischen, die ich überschauen und kontrollieren kann." Immer mehr Menschen würden diese Nischen im Virtuellen finden.

Blickt man auf den enormen Erfolg von Facebook und anderen sozialen Netzwerken, scheinen die Sorgen berechtigt: Auch hier können Menschen miteinander in Kontakt treten, die sich im realen Leben nur flüchtig oder nie begegnet sind. Zudem verzeichnen Online-Partnerbörsen einen ungebrochenen Zulauf.

Sackgasse aus Scripts und Pixeln
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