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Für *Weltverbesserer

Gekommen um zu heilen

1. Juni 2011
Von Veronika Widmann

Veronika aus Mühldorf am Inn ist Redakteurin bei TONIC

Texte von Veronika
autor@tonic-magazin.de

Veronika Widmann

Improvisation ist eine Spezialität des Krankenhauses.

Improvisation ist eine Spezialität des Krankenhauses.

Eine weitere Besonderheit von Smart Care sind die im Abstand von ein oder zwei Monaten stattfindenden "Medical Camps". Sie stehen jedes Mal unter einem anderen Motto, so gibt es zum Beispiel Pädiatrie- und Gynäkologie-Camps. Alle Fälle, die nicht akut sind, werden dann von Spezialisten behandelt. Die Ärzte kommen aus ganz Indien, sie bringen neben ihrer Expertise oft auch ihre Geräte selbst mit – und lassen sie manchmal sogar da. Der größte Teil der Ausstattung in den zwei Operationssälen sind ausrangierte, aber noch gut funktionierende Geräte, die Krankenhäuser oder die Ärzte selbst spenden. Vor dem OP steht ein ganzer Schrank voll von Umhängen in allen Grünschattierungen, manche mit eingestickten Namen oder Initialen. "Das ist so eine Regel: Jeder bringt seinen Arztkittel mit und lässt ihn nach dem Wochenende hier, so dass wir keine kaufen müssen", lacht Ramesh. Gleich neben dem Schrank steht ein Meisterstück der Improvisation: Ein Rollstuhl, zusammengebaut aus einem alten Plastikstuhl und den Rädern eines Fahrrads.

Es ist Sonntag, ein ruhiger Tag bei Smart Care. Die Menschen wissen, dass sie am Wochenende nur in Notfällen kommen sollen. Eine einzige Patientin sitzt in einem Rollstuhl in der Sonne. Ihr rechter Fuß ist eingebunden, sie hat ihn hochgelegt. Ihr Name ist Benla Salamma, sie ist etwa 45 Jahre alt und kommt aus einem Dorf in der Nähe. Neben ihr steht ihre Tochter Stella, die mitgekommen ist, um sich um sie zu kümmern und ihr Gesellschaft zu leisten. Die Unterstützung durch Verwandte ist wichtig für die Patienten, denn es gibt kein Pflegepersonal,das sich regelmäßig um sie kümmern könnte. Salamma wurde von einer Schlange gebissen, als sie an einer Bushaltestelle wartete. "Ich bin zu verschiedenen Ärzten gegangen und habe viel Geld gezahlt, aber keiner von Ihnen hat mir wirklich geholfen", erzählt sie ihre Geschichte. "Sie haben alle gesagt, dass jetzt nur noch Gott etwas tun könnte – meine Familie und ich waren verzweifelt." Bei diesen Worten wischt sich Salamma mit ihrem Sari die Tränen aus den Augen. Seit einer Woche ist sie jetzt hier in Kamagiri, wo Jeyachandran ihr Haut vom Oberschenkel an den Fuß verpflanzte. Bald wird sie wieder zu Hause sein.


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