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Für *Weltverbesserer

Gekommen um zu heilen

1. Juni 2011
Von Veronika Widmann

Veronika aus Mühldorf am Inn ist Redakteurin bei TONIC

Texte von Veronika
autor@tonic-magazin.de

Veronika Widmann

Das Smart Care Krankenhaus im indischen Dschungel ist die einzige Anlaufstelle bei Krankheiten für rund 10.000 Menschen. Seinen Leitspruch "Lasst uns die Last des anderen mittragen" setzt es auf bemerkenswerte Weise um.

Vorsichtig reinigt Kumar die Wunden und verbindet die Finger des Patienten.

Vorsichtig reinigt Kumar die Wunden und verbindet die Finger des Patienten.

Konzentriert betrachtet Kumar die Hand seines Patienten. Gestern hat dieser sich sämtliche Finger an einem Feuerwerkskörper verbrannt, jetzt müssen die Verbände gewechselt werden. Kumar streift sich in einer gewohnten Bewegung ein Paar Plastikhandschuhe über. Er legt sich ein Fläschchen Jod, einen Pinsel, eine Spritze und frischen Verband zurecht. Dann beugt er sich über die verletzte Hand und beginnt, den Verband abzuwickeln. Die verbrannte Haut betupft er mit Jod, zieht die Spritze auf. Sein Patient verzieht das Gesicht, gibt aber keinen Ton von sich. Auf einmal geht die Lampe aus, die im halbdunklen Raum Licht für die Behandlung spendet – Stromausfall.

Kein ungewöhnliches Ereignis im Smart Care Krankenhaus in Kamagiri. Es liegt auf 900 Metern Höhe im Hinterland Südindiens, ringsherum nur Berge, Dschungel und kleine Dörfer. Smart Care ist die erste und oft einzige Anlaufstelle bei Verletzungen und Krankheit für rund 10.000 Menschen, die auf dem Hochplateau und in den umliegenden Bergen leben. Die meisten dieser Menschen sind sogenannte tribals, Ureinwohner Indiens.

In traditionellen Stammesgemeinschaften leben sie zurückgezogen und in den einfachsten Verhältnissen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO kommen in Indien sechs Ärzte auf 10.000 Einwohner (zum Vergleich: In Deutschland sind es 35), im ländlichen Raum ist diese Zahl jedoch noch geringer. Die Bevölkerung dort ist ärmer als in den Städten, viele Stellen in den öffentlichen Gesundheitszentren sind unbesetzt, da sie wenig attraktiv sind. Von Kamagiri aus ist das nächste öffentliche Krankenhaus 60 Kilometer entfernt – unerreichbar für die Menschen dort.

Vom Patienten zum Mitarbeiter
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