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Für *Neuköllner

„Es gibt kein Interesse, die Lage der Roma zu verbessern“

1. Juni 2011
Von Fabian Stark

Er will was erreichen mit seiner Kunst, politisch. Aber dass sein Theater und die Kunst ihn vor allem einfach nur begeistern, ist offensichtlich

Er will was erreichen mit seiner Kunst, politisch. Aber dass sein Theater und die Kunst ihn vor allem einfach nur begeistern, ist offensichtlich

Kennen Sie Shantel?

Ja, der ist noch krasser. Nimmt Lieder, bearbeitet die elektronisch und macht die Beats. Ich meine, Musik ist wie die Kunst: ein großes Feld. Und neue Bewegungen produzieren gute Sachen, aber auch ganz viel Schund und Kitsch. Das geht in Richtung Turbo-Folkmusik und das ist schlimm. Aber es gibt auch viele Sachen, die gut geworden sind, Mischungen zwischen alt und neu. Hier bei uns bemühen wir uns ein vernünftiges Gleichgewicht zu haben und passen auf, dass das kein Kitsch wird. Wir suchen nach Roma-Musik aus der ganzen Welt, aber nicht nur. Diese Ethno-Schiene ist nur sinnvoll, so lange man sie nicht ernst nimmt, eine Ideologie daraus zu bauen wäre falsch.

Die Leute assoziieren Shantel, Beirut oder Gogol Bordello mit Roma. Erzeugt das Klischees?

Gogol Bordello macht Punk. Er benutzt das Roma-Klischee, aber ich glaube, er macht das gut, weil er es wendet: Seine Texte sind anders, er will was vermitteln. Shantel und viele andere DJs nehmen die Sachen sehr oberflächlich und bearbeiten sie dann, das finde ich nicht gut. Meistens versteht man wahrscheinlich auch nicht, was da gesungen wird. Die nehmen etwas, was melodisch passt und gefällig ist. Und wenn jemand den Text versteht, greift der sich an den Kopf.

Klappt die Mischung hier im Theater?

Ich nenne das hier spaßhaft angewandte Kunst, wir versuchen, mit der Kunst politisch etwas zu vermitteln. Wenn man Veranstaltungen mit anderen "Kulturen" organisiert, merkt man, dass viele von denen auch Roma sein könnten. Manche Leute kapieren das, für andere ist das hier Folklore. Mit Partys und Konzerten kann man was erreichen, aber ich glaube, Theater kann mehr.

Neben der Wiederaufnahme von "Zirkus" probt das Rroma Aether Klub Theater das Stück "Suche nach Herrn K.". Es arbeitet mit Texten aus "Geschichten von Herrn Keuner" von Franz Kafka und Bertolt Brecht und kommt demnächst zur Aufführung.


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Kommentare

GrimboldAm 8. Oktober 2011

Hört endlich auf Zigeuner "Roma" zu nennen .

FabianAm 8. Oktober 2011

Wieso lieber Zigeuner statt Roma? Auch lieber Gaul statt Pferd?