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Für *Neuköllner

„Es gibt kein Interesse, die Lage der Roma zu verbessern“

1. Juni 2011
Von Fabian Stark

Der einfache Weg ist nicht immer der richtige: Markovic schätzt Klischees und Schubladendenken ganz und gar nicht

Der einfache Weg ist nicht immer der richtige: Markovic schätzt Klischees und Schubladendenken ganz und gar nicht

Es gibt dieses Klischee vom "in den Tag hineinleben", was viele Leute negativ sehen, andererseits bewundert man die scheinbare Freiheit, die Roma dafür haben sollen. Egal, wie man es dreht: Es bedeutet, dass Roma etwas anderes sind, dass sie sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren können.

Genau. Aber dass die Mehrheitsbevölkerung bei Anderen was Fremdes entdeckt, ist nichts Neues. Bei jedem Menschen, der etwas anders aussieht, ist man erstmal neugierig und guckt, findet Unterschiede oder Gemeinsamkeiten, je nach Stimmung. Gemeinsamkeiten sind okay und die findet man auch. Die Distanzierung jedoch ist ein alt eingeprägter sozialer Reflex.

Die meisten Unterschiede sind die äußerlichen, die fallen als Erstes auf.

Ich erinnere mich an meine Schulzeit: Sobald ich etwas Buntes anhatte, war das ein Zeichen dafür, dass ich Roma bin – obwohl es auch andere gab, die bunte Sachen trugen. Da stellt man sich das erst mal im Mittelalter vor, als die Roma in den Balkan kamen, auch nach Deutschland. Unterschiede kann man so beliebig anwenden und umdrehen, wie die Politik ist. Das ist das Gefährliche.

Aber ob man jetzt ein Klischee positiv oder negativ versteht, macht keinen Unterschied?

Ich glaube, die Leute neigen dazu, einfache Lösungen zu finden, deswegen konzentrieren sie sich auf einfache Sachen, sonst ist es kompliziert – aber das wäre menschlicher und schöner. Manche klammern sich an Vorurteile und führen Diktaturen ein, doch die tragen auch die Konsequenzen für ihr Schubladendenken.

In den letzten Jahren ist Balkan-Musik recht populär geworden, die verbindet man auch mit Roma. Hat sie denn einen Bezug dazu?

Ja, gerade die Brass-Musik ist sehr populär, und meistens sind Roma die Musiker. Die Popularisierung fing in den 90er Jahren mit Filmen wie denen von Emir Kustrica an. In Kriegszeiten haben Leute mit der Idee des Culture Recycling angefangen Musik zu spielen, um die jugoslawische Idee zu beleben. Roma-Musik war ideal dafür, weil sich damit niemand ethnisch oder national ausgeschlossen fühlt. Sie hat sich dann noch mit anderer Musik vermischt. Roma-Musik ist beliebt, weil es eine Mischung aus Ethno und Jazz ist. Der Text ist meistens Blues, melodisch aber auf verschiedene Weise bearbeitet. Manchmal ist das sogar Tanzmusik.

Politische Kunst im Roma-Theater
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Kommentare

GrimboldAm 8. Oktober 2011

Hört endlich auf Zigeuner "Roma" zu nennen .

FabianAm 8. Oktober 2011

Wieso lieber Zigeuner statt Roma? Auch lieber Gaul statt Pferd?