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Für *Soldaten

Diversity Management bei der Bundeswehr

24. Juni 2011
Von Kathrin Bauer

Kathrin aus Mühldorf am Inn ist Autorin bei TONIC.

Texte von Kathrin
autor@tonic-magazin.de

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Stephan Weiß wünscht sich einen Gleichstellungs­beauftragten, der sich auch für dei Rechte bi- und homosexueller Soldaten einsetzt.

Stephan Weiß wünscht sich einen Gleichstellungs­beauftragten, der sich auch für dei Rechte bi- und homosexueller Soldaten einsetzt.

Als allerdings Frauen ab 2001 in allen Bereichen zugelassen werden, findet ein Umdenken statt. Der Generalinspekteur verfasst einen Erlass, der jedem Soldaten und jeder Soldatin freie sexuelle Orientierung garantiert, solange dies nicht die dienstliche Ordnung stört. Der Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr (AHsAB) wird gegründet. Stephan Weiß ist Leiter der Regio Süd. Der 53-jährige Reservestabsoffizier tritt 1997 aus, um eine Laufbahn als Akademiker einzuschlagen. Dennoch hält er weiterhin engen Kontakt und nimmt regelmäßig an Wehrübungen teil. Er lebt mit seinem Mann in München, nicht weit vom Englischen Garten. Für die Mitglieder von AHsAB plant er Grillabende, Wanderungen in den Bergen und die Fahrt zum Christopher Street Day in Berlin.

Er sieht in der Organisation die Möglichkeit, nicht nur homosexuellen Soldaten durch eine Beratungshotline zu helfen, sondern auch politisch etwas zu bewegen. "Wir würden uns in der Bundeswehr ein Diversity Management wünschen, das sich nicht nur für Frauen einsetzt, sondern auch für homo-, bi- und transsexuelle Soldaten und Soldatinnen", erklärt er. Dazu gehört auch die Aufstellung eines Gleichstellungsbeauftragten, der nicht nur für die Gleichberechtigung von Mann und Frau zuständig ist, aber auch die Einführung von Trennungsgeld beispielsweise. Letzteres erhalten verheiratete Männer und Frauen der Bundeswehr, um ihren Partner zu besuchen, wenn sie in eine weit entfernte Kaserne versetzt wurden.

"Die Bundeswehr ist bisher noch sehr heterosexuell", meint Stephan Weiß. Er spricht davon, dass der deutsche General mit seiner Frau den französischen General, mit dessen Frau selbstverständlich, zum Abendessen einlädt. Er spricht davon, dass von dem Bataillonskommandeur erwartet wird, mit seiner Frau auf den Sommerball zu gehen. Doch glaubt der Reservestabsoffizier nicht, dass dieses Muster bestehen bleibt.

Martin vergleicht die Bundeswehr mit einem Spiegel: "Sie ändert sich genau wie die Gesellschaft. Wird diese toleranter, wird es die Bundeswehr auch – es braucht eben nur mehr Zeit."

*Name von der Redaktion geändert


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Kommentare

BrianAm 24. Juni 2011

Der Schluss (und respektive die Überschrift) kann nicht überzeugen – bei einem Spiegel gibt es keine Verzögerung, sondern alles passiert spiegelbildlich und zeitgleich; die Bundeswehr ist damit gerade KEIN Spiegel der Gesellschaft, weil bei ihr alte Denkmuster und Strukturen deutlich länger vorhalten.

Was ich außerdem ein wenig vermisse, ist die zweite Ebene beim Text. Die Gefühlwelt der Protagonisten eröffnet sich nicht wirklich!

FabianAm 24. Juni 2011

Vielleicht kann man dann die Bundeswehr eher mit einer ruckelnden Webcam vergleichen...

Die Überschrift ist nachträglich geändert. Schade um den Permalink, aber was tut man nicht alles!

ProvokateurAm 24. Juni 2011

Vielleicht als provokante Frage in die Runde: Warum sollen Homosexuelle in der Bundeswehr einen Gleichstellungsbeauftragten bekommen? Sie haben ihre berufliche Wahl selbst getroffen und sind in eine homophobe, testosteron-gelenkte Welt eingetreten. Das war ihre freie Entscheidung. Ist es nicht viel mehr so, dass im gewissen Rahmen alle anderen (männlichen) Soldaten eingeschränkt werden? Um es auf platte Weise auf die Spitze zu treiben: Es ist doch fast so, als würde man Männer und Frauen in die gleiche Umkleide schicken!

AnnaAm 25. Juni 2011

Abgesehen davon, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung zwei verschiedene Dinge sind, würde ich deinen letzten Satz weiterdenken wollen: Wäre es in einer "besseren Welt" nicht so, dass man Männer und Frauen in die gleiche Umkleide schicken könnte, weil keiner Angst vor Belästigung/Diskriminierung haben müsste?