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Für *Soldaten

Diversity Management bei der Bundeswehr

24. Juni 2011
Von Kathrin Bauer

Kathrin aus Mühldorf am Inn ist Autorin bei TONIC.

Texte von Kathrin
autor@tonic-magazin.de

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Martin empfindet das Verhältnis zu seinen Kameraden als entspannter, wenn sie um seine Homosexualität wissen.

Martin empfindet das Verhältnis zu seinen Kameraden als entspannter, wenn sie um seine Homosexualität wissen.

Auf einem Feldwebellehrgang isst Martin mit fünfzig anderen Soldaten zu Mittag. "Ich muss dich etwas fragen", meint ein Kamerad verlegen. Martin merkt dem Gegenüber deutlich an, dass dieser sich nicht recht traut, die Frage zu stellen. "Na, das muss ja was Schlimmes sein, wenn du so rumdruckst", antwortet er. Wieder eine Pause. "Bist du schwul?", fragt der andere Soldat. Martin bejaht schlicht. Die darauffolgenden Tage ist er etwas aufmerksamer als sonst, wenn er sich mit den Kameraden unterhält. Doch er trifft nirgends auf Ablehnung, hört blöde Sprüche oder muss Anfeindungen ertragen. Im Gegenteil – er empfindet das Verhältnis zwischen ihm und den anderen Soldaten als lockerer. Er kann einfach entspannt zuhören, wenn die anderen über ihre Freundinnen reden, er wird nicht mehr gefragt, ob ihm ein Mädchen gefällt, er wird so angenommen, wie er ist.

Noch in den 90ern gibt es in der Bundeswehr offiziell keine Homosexuellen.

Bei der Bundeswehr hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges verändert. Noch in den 90ern gibt es offiziell keine Homosexuellen unter den Soldaten. An den Türen der Spinde haben viele junge Männer Poster von nackten Frauen hängen. Manche bewahren in dem schmalen Schrank auch einen Stapel Pornohefte. Homosexuelle Soldaten können es sich nicht leisten, die Wahrheit über ihre sexuelle Neigung auszusprechen. Wenn sie auffliegen, werden sie zum Arzt geschickt. Der stellt in seiner Diagnose fest, dass die Personen angeblich nicht geeignet sind für den Dienst in der Bundeswehr. Die Folge: Sie werden entlassen. Angesehene Gruppenführer werden auf unwichtige Posten abgeschoben, als ihre Homosexualität bekannt wird.

Diversity Management für die Bundeswehr
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Kommentare

BrianAm 24. Juni 2011

Der Schluss (und respektive die Überschrift) kann nicht überzeugen – bei einem Spiegel gibt es keine Verzögerung, sondern alles passiert spiegelbildlich und zeitgleich; die Bundeswehr ist damit gerade KEIN Spiegel der Gesellschaft, weil bei ihr alte Denkmuster und Strukturen deutlich länger vorhalten.

Was ich außerdem ein wenig vermisse, ist die zweite Ebene beim Text. Die Gefühlwelt der Protagonisten eröffnet sich nicht wirklich!

FabianAm 24. Juni 2011

Vielleicht kann man dann die Bundeswehr eher mit einer ruckelnden Webcam vergleichen...

Die Überschrift ist nachträglich geändert. Schade um den Permalink, aber was tut man nicht alles!

ProvokateurAm 24. Juni 2011

Vielleicht als provokante Frage in die Runde: Warum sollen Homosexuelle in der Bundeswehr einen Gleichstellungsbeauftragten bekommen? Sie haben ihre berufliche Wahl selbst getroffen und sind in eine homophobe, testosteron-gelenkte Welt eingetreten. Das war ihre freie Entscheidung. Ist es nicht viel mehr so, dass im gewissen Rahmen alle anderen (männlichen) Soldaten eingeschränkt werden? Um es auf platte Weise auf die Spitze zu treiben: Es ist doch fast so, als würde man Männer und Frauen in die gleiche Umkleide schicken!

AnnaAm 25. Juni 2011

Abgesehen davon, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung zwei verschiedene Dinge sind, würde ich deinen letzten Satz weiterdenken wollen: Wäre es in einer "besseren Welt" nicht so, dass man Männer und Frauen in die gleiche Umkleide schicken könnte, weil keiner Angst vor Belästigung/Diskriminierung haben müsste?