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Für *Soldaten

Diversity Management bei der Bundeswehr

24. Juni 2011
Von Kathrin Bauer

Kathrin aus Mühldorf am Inn ist Autorin bei TONIC.

Texte von Kathrin
autor@tonic-magazin.de

Platzhalter

Martin und Christian sind schwul – und Soldaten in der Bundeswehr. Rechtlich ist das heute kein Problem mehr, viele Kameraden sind tolerant. Trotzdem outen sich die beiden nicht öffentlich.

Martin und Christian sind seit einem Jahr ein Paar. Nicht alle ihrer Kameraden wissen das.

Martin und Christian sind seit einem Jahr ein Paar. Nicht alle ihrer Kameraden wissen das.

Martin hat sich von Anfang an vorgenommen, keine Märchen zu erzählen. Seinen Kameraden erzählt er entweder die Wahrheit oder eben gar nichts. Er erfindet kein Mädchen, das Julia heißt, BWL studiert und seine Freundin ist. Er wird nicht lügen, auf keinen Fall. Martin Schröder* ist homosexuell – und arbeitet in einer der größten Männerdomänen Deutschlands, der Bundeswehr.

Der 28-jährige Fachinformatiker mit den mandelförmigen braunen Augen ist vor fünf Jahren bei der Bundeswehr eingetreten. Seinen jetzigen Freund lernt er beim Christopher Street Day in München kennen, wo Martin den Informationsstand der Piratenpartei betreut.

Als Christian dort durch die Broschüren blättert, will Martin ihn nicht mehr gehen lassen. Er spannt den jungen Mann bei der Arbeit für den Stand ein und sie treffen sich gleich am darauffolgenden Freitag beim Stammtisch der Piratenpartei wieder. Das ist nun ein Jahr her. Jetzt sitzen sie im Wohnzimmer eines Freundes, sie haben Kuchen vom Bäcker mitgebracht. Martin streicht Christian über die Hand. Die beiden versuchen, jede freie Minute miteinander zu verbringen.

Auch Christian Behlendorf ist bei der Bundeswehr, er studiert Informatik. Keiner der beiden hat sich bis jetzt offiziell bei den Kameraden geoutet. Nur einigen wenigen haben sie erzählt, dass sie homosexuell sind. Auch wenn die Gesellschaft in den letzten Jahren offener geworden ist, wissen sie, dass manche eben immer noch wenig tolerant sind. Mit denjenigen Soldaten, von denen das Paar eher Ablehnung erwartet, redet es nicht über ihre Homosexualität. Gemobbt oder angefeindet werden die beiden nicht. Sie kennen nur Einzelfälle, in denen schwulen Soldaten das Leben schwer gemacht wird. Das passiert aber nicht so häufig im Sanitätsdienst, wo zum Beispiel Martin arbeitet, als vielmehr bei den Kampftauchern oder den Fallschirmjägern, unter denen Männlichkeit im herkömmlichen Sinn noch sehr groß geschrieben wird. Die meisten Kameraden und Vorgesetzte sind allerdings offen, wie Martin selbst schon öfter erlebt hat.

"Bist du schwul", fragt der andere Soldat
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Kommentare

BrianAm 24. Juni 2011

Der Schluss (und respektive die Überschrift) kann nicht überzeugen – bei einem Spiegel gibt es keine Verzögerung, sondern alles passiert spiegelbildlich und zeitgleich; die Bundeswehr ist damit gerade KEIN Spiegel der Gesellschaft, weil bei ihr alte Denkmuster und Strukturen deutlich länger vorhalten.

Was ich außerdem ein wenig vermisse, ist die zweite Ebene beim Text. Die Gefühlwelt der Protagonisten eröffnet sich nicht wirklich!

FabianAm 24. Juni 2011

Vielleicht kann man dann die Bundeswehr eher mit einer ruckelnden Webcam vergleichen...

Die Überschrift ist nachträglich geändert. Schade um den Permalink, aber was tut man nicht alles!

ProvokateurAm 24. Juni 2011

Vielleicht als provokante Frage in die Runde: Warum sollen Homosexuelle in der Bundeswehr einen Gleichstellungsbeauftragten bekommen? Sie haben ihre berufliche Wahl selbst getroffen und sind in eine homophobe, testosteron-gelenkte Welt eingetreten. Das war ihre freie Entscheidung. Ist es nicht viel mehr so, dass im gewissen Rahmen alle anderen (männlichen) Soldaten eingeschränkt werden? Um es auf platte Weise auf die Spitze zu treiben: Es ist doch fast so, als würde man Männer und Frauen in die gleiche Umkleide schicken!

AnnaAm 25. Juni 2011

Abgesehen davon, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung zwei verschiedene Dinge sind, würde ich deinen letzten Satz weiterdenken wollen: Wäre es in einer "besseren Welt" nicht so, dass man Männer und Frauen in die gleiche Umkleide schicken könnte, weil keiner Angst vor Belästigung/Diskriminierung haben müsste?