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Die Bandidos machen Ferien

1. Juni 2011
Von Anna Livsic

Anna aus Berlin ist Autorin bei TONIC

Texte von Anna
autor@tonic-magazin.de

Anna Livsic

Eigentlich wollte Anna bloß Ferien in Bali machen. Wäre da ihre Neugier nur nicht mit der Rockergang Bandidos kollidiert – denn auch sie vergnügten sich dort am Strand, unter der Sonne und auf der Harley.

Ein Rocker entspannt auf Bali.

Ein Rocker entspannt auf Bali.

Aus dem Spanischen übersetzt bedeutet "Bandidos" Verbrecher, Räuber oder Gauner. Also Gestalten, die ich eher mit der Nacht und Gefahr, als mit Sonne, Meer und Strand assoziiere. Vielleicht liegt es aber nicht an der Übersetzung aus dem Spanischen. Sondern eher an Bandidos und ihrem Ruf selbst. Ihr kennt die Schlagzeilen: Raub, Erpressung, Totschlag, organisierte Kriminalität und der ewige Rockerkrieg mit den Hells Angels.

Die Bandidos haben eine lange Geschichte, die 1966 mit der Gründung eines Motorradclubs in Texas beginnt. Der Mythos des Adrenalin-erfüllten Rockerdaseins jenseits aller Gesellschaftsregel erweist sich als ein wahrhaftiger Magnet für diejenigen, den das bürgerliche Spießerleben bis zum Himmel stinkt. Weltweit entstehen immer mehr neue Ortsverbände, sogenannte Chapter, "mit ihren eigenen Regeln und Strukturen", so die einschlägige Literatur.

Umso überraschender ist es, dass ich auf der Bali Bike Week 2011, einem öffentlichen Bandidostreffen, eine familienfreundliche Veranstaltung vorfinde – nur wenige Meter vom Strand und Luxushotel entfernt.

Zaubershow und sexy Tänzer

Das zweitägige Programm klingt vielversprechend kontrovers: Neben Rockgesang- und Tanzeinlagen stehen ein "Magician" und eine "Sexy Dancers Performance" auf der Agenda. Dass sich ein Zauberer genauso wenig mit Bandidos verträgt wie "Sexy Dancers" mit der stark muslimisch geprägten indonesischen Gesetzlage, die das Tragen von Miniröcken und ärmellosen T-Shirts nicht toleriert, macht die PR-Botschaft der Bandidos eindeutig:

"Schaut her, wir sind gar nicht so schlimm wie ihr alle denkt. Wir mögen das, was euch auch gefällt. Alles, was wir sonst noch machen, ist ein bisschen Motorrad fahren, Tätowieren, Lederklamotten tragen und noch ein bisschen mehr Motorradfahren. Vormittags hören wir sogar Katy Perry und unsere Rockband sieht fast aus wie West Life: Alle in weißen Klamotten und ganz smart. Wenn ihr wollt, dann könnt ihr uns unterstützen – support your local Bandido." Klingt ein bisschen wie ein Wahlspruch der Grünen. Die Bandidos scheinen ein Mythos für alle und jeden sein zu wollen. Für die jungen Surfer wie für Rentnerpaare aus dem Luxushotel.

zum Interview mit einem Bandido
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