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Für *Abenteurer

„Auf unseren Reisen ist noch niemand gestorben“

1. Juni 2011
Von Manuela Zeller

Manuela aus Lenzburg, Schweiz, ist Autorin bei TONIC

Texte von Manuela
autor@tonic-magazin.de

Manuela Zeller

Afghanistan kennen wir aus der Tagesschau: Bombenanschläge in Kabul, Ärger mit den Taliban. Bilder von russischen Waffen und blau verhüllten Frauen. Trotzdem: Wer hin will, kann heute noch eine Reise buchen.

Kevin Pollard auf einem alten Sowjet-Panzer

Kevin Pollard auf einem alten Sowjet-Panzer

Stress im Urlaub kennen wir. Streit mit den Liebsten, die Brieftasche kommt weg, im schlimmsten Fall regnet es. Kuschelrock im Vergleich zu Afghanistan: Das Auswärtige Amt rät dringend davon ab das Land zu bereisen. Zu oft kommt es vor, dass Ausländer von Rebellen verschleppt werden, manche kehren nie wieder zurück. Über Landwege soll man deswegen nur im bewaffneten Konvoi fahren. Dazu kommt die allgegenwärtige Angst vor Selbstmordanschlägen.

Klingt das nach einem entspannten Reiseziel? Tatsächlich gibt es Leute, die hin wollen. Und wer genug Geld hat, kann das auch. Die Schweizer Reiseagentur Babel Travel organisiert Trips in die gefährlichsten Länder der Welt – für teures Geld. 15 Tage Afghanistan kosten 8500 Euro. Die Kosten für Inlandflüge, Taxi, Kamel und Esel sind im Preis inbegriffen, die Reise nach Afghanistan nicht.

Welche Motive stecken hinter dem Krisentourismus? Sensationslust und Voyeurismus? Oder vielmehr der Versuch dort Schönheit zu finden, wo andere nur Gefahren sehen?

Kevin Pollard ist der Kopf von Babel Travel. Der abenteuerlustige Australier hat die Agentur vor drei Jahren ins Leben gerufen und begleitet seine Kunden in die gefährlichsten Länder der Welt.

Der Schrein Hazrat Ali in Mazir-i-Sharif

Der Schrein Hazrat Ali in Mazir-i-Sharif

Pollard fürchtet sich nicht vor Entführungen und Gewaltverbrechen. Er sagt, viel risikoreicher als die Reisen nach Afghanistan, in den Irak oder Sudan sei es gewesen, sich beruflich selbstständig zu machen und Babel Travel zu gründen. Trotzdem passen die Leute von Babel Travel gut auf ihre Kunden auf. Die Reiseleiter stehen im Kontakt zu den örtlichen Autoritäten um Gefahren frühzeitig zu erkennen. Bewaffnete Sicherheitsmänner sorgen dafür, dass die Touristen aus dem Westen nicht gekidnappt werden. "Wir treffen für unsere Touren sehr strenge Sicherheitsmassnahmen. Außerdem ist in Entwicklungsländern der Straßenverkehr weit gefährlicher als die so genannten Extremisten. Es sterben mehr Touristen an Autounfällen als bei Selbstmordanschlägen."

Wo bleibt dann das Abenteuer?
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Kommentare

linda_blumeAm 2. Juni 2011

ja, man kann ja jetzt auch nach tschernobyl reisen. na, lust?