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Für *Wehrpflichtige

Alt, staubig sucht jung, willig

30. Juni 2011
Von Christian Mehrmann

Christian aus Dresden ist Autor bei TONIC

Texte von Christian
autor@tonic-magazin.de

Christian Mehrmann

Oberamtsrat Fleischer war zum Fototermin leider im Urlaub - darum hier Bernhard Günzel, sein Chef. Der weiß aber auch nicht so recht, wie es weitergehen soll.

Oberamtsrat Fleischer war zum Fototermin leider im Urlaub - darum hier Bernhard Günzel, sein Chef. Der weiß aber auch nicht so recht, wie es weitergehen soll.

In Zukunft sollen mindestens 5000 Freiwillige ständig in der Bundeswehr dienen – bereits 10.000 weniger als einst von Karl-Theodor zu Guttenberg geplant. Wie nach Aussetzen der Wehrpflicht ausreichend geeignetes Personal gewonnen werden kann, darüber hatte sich vorher keiner so recht Gedanken gemacht.

Damals, als zu Guttenberg noch Verteidigungsminister war, begann die Werbung für den Freiwilligen Wehrdienst in der "Bild"-Zeitung und im Radio; der Dienst sollte attraktiver werden – vor allem materiell. "Mit Geld allein erreicht man aber die falschen Leute", sagt Fleischer. "Wir wollen keine Mini-Rambos in Afghanistan!"

Thomas de Maizière, der Neue im Amt, appelliert nun an den Patriotismus junger deutscher Staatsbürger. Der neue Werbespruch "Wir. Dienen. Deutschland" soll dabei Kameradschaft und den ehrenvollen Dienst am Land miteinander vereinen. "Aber von Ehrgefühl kann ich mir keinen Döner kaufen", sagt Fleischer.

Nach dreieinhalb Monaten Stillstand ist Fleischer, der Oberamtsrat jetzt endlich nicht mehr zum Nichtstun verdammt – den neuen Broschüren zum Freiwilligendienst sei Dank. In ihnen steckt eine Menge Hoffnung. In den kommenden Tagen werden sie an diejenigen Männer verschickt, die eigentlich zur Musterung hätten erscheinen müssen.

Der "zukunftsorientierte und moderne Arbeitgeber" Bundeswehr verspricht darin eine "attraktive Vergütung" bei gleichzeitiger Verbesserung der "fachlichen und sozialen Kompetenzen" eines Freiwillig Wehrdienstleistenden. Die "Pflicht wird zur Chance!", und wer nach sechs Monaten nicht zufrieden ist, darf wieder gehen. Fleischer aber bleibt.


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Kommentare

GustavAm 2. Juli 2011

Und der ehemalige Zivildienst? Da geht das Drama direkt weiter. In einer verzweifelten Kampagne versuchen die Verantwortlichen, junge Menschen an Land zu ziehen. Freiwillig, lohnend, wasweißich. Die Beteiligung ist ebenso mager wie beim Militär.

Möglichkeit #1: Sich fragen, wieso überhaupt.

Möglichkeit #2: Das Programm ändern.

Möglichkeit #3: Das Programm aufgeben.

Bin gespannt auf die Entwicklung...